Wann und wie wird eingebrochen? Was die Statistik über Einbrecher verrät
Einbrecher kommen selten nachts, sondern tagsüber und in der dunklen Jahreszeit. Was die aktuelle Kriminalstatistik für Hessen und Nordhessen zeigt – und wo Sie Ihr Zuhause am wirksamsten schützen.

Die meisten Wohnungseinbrüche passieren nicht nachts, sondern tagsüber und am frühen Abend – dann, wenn die Bewohner arbeiten, einkaufen oder unterwegs sind. Besonders gefährdet ist die dunkle Jahreszeit von etwa November bis März. Eingestiegen wird meistens über Terrassentüren, Fenster und Wohnungstüren, die mit einfachem Werkzeug aufgehebelt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- In Hessen registrierte die Polizei 2025 laut Polizeilicher Kriminalstatistik 6.777 Wohnungseinbrüche – 15,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
- In Nordhessen stieg die Zahl 2025 von 668 auf 749 Fälle, liegt aber weit unter dem Stand von 2015 mit 1.655 Fällen.
- Gut vier von zehn Einbrüchen bleiben im Versuch stecken – oft, weil Türen und Fenster zu lange standhalten.
- Typische Einstiegswege: Terrassentür und Fenster im Einfamilienhaus, die Wohnungstür im Mehrfamilienhaus.
- Die Polizei empfiehlt zuerst mechanischen Schutz, eine Alarmanlage ergänzt ihn sinnvoll.
Zu welcher Tages- und Jahreszeit wird eingebrochen?
Das Bild vom Einbrecher, der nachts durchs Schlafzimmerfenster steigt, stimmt selten. Einbrecher wollen nicht auf Bewohner treffen. Deshalb nutzen sie die Zeiten, in denen niemand zu Hause ist: den Vormittag und Nachmittag unter der Woche, den frühen Abend, Wochenenden mit Ausflügen. Polizeiliche Präventionsstellen weisen jedes Jahr darauf hin, dass ein großer Teil der Wohnungseinbrüche bei Tageslicht oder in der Dämmerung geschieht.
Die dunkle Jahreszeit ist dabei besonders belastet. Wenn es schon am späten Nachmittag dunkel ist, sehen Täter von außen sofort, in welchen Häusern kein Licht brennt. Gleichzeitig sind sie selbst in der Dämmerung schlechter zu erkennen. Die Polizei Köln hat in ihrer viel zitierten Kölner Studie festgestellt, dass die Monate von November bis März deutlich höher belastet sind als der Sommer.
Für Sie heißt das: Der Herbst ist genau der richtige Zeitpunkt, um Schwachstellen zu beheben – nicht erst nach dem ersten Vorfall in der Nachbarschaft.
Was die Zahlen für Hessen und Nordhessen zeigen
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) erfasst alle angezeigten Fälle. Für unsere Region ergibt sich daraus ein gemischtes Bild:
| Gebiet | 2024 | 2025 | Versuchsanteil 2025 |
|---|---|---|---|
| Hessen | 5.867 Fälle | 6.777 Fälle | 42,7 Prozent |
| Polizeipräsidium Nordhessen | 668 Fälle | 749 Fälle | 42,3 Prozent |
| Stadt Kassel | 248 Fälle | 245 Fälle | 41,2 Prozent |
| Landkreis Kassel | 201 Fälle | 197 Fälle | 44,2 Prozent |
Quellen: PKS Hessen 2025 (Hessisches Landeskriminalamt) und Presseinformation des Polizeipräsidiums Nordhessen zur PKS 2025.
Bundesweit verzeichnete die PKS für 2024 insgesamt 78.436 Wohnungseinbrüche, nach 77.819 im Jahr davor. Nach Jahren mit historisch niedrigen Zahlen während der Corona-Zeit steigen die Fälle also wieder an. Das Polizeipräsidium Nordhessen betont zugleich, dass die Zahlen in der langen Betrachtung niedrig sind: 2015 gab es in Nordhessen mit 1.655 Fällen noch mehr als doppelt so viele Wohnungseinbrüche.
Die Aufklärungsquote lag 2025 in Hessen bei 15,2 Prozent, in Nordhessen bei 16,3 Prozent. Anders gesagt: Die meisten Täter werden nicht ermittelt. Umso wichtiger ist es, den Einbruch gar nicht erst gelingen zu lassen.
Wie gelangen Einbrecher ins Haus?
Einbrecher arbeiten meist schnell und mit einfachem Werkzeug wie einem großen Schraubendreher. Sie hebeln Fenster, Terrassentüren oder Wohnungstüren auf. Die Kölner Studie der Polizei kam zu dem Ergebnis, dass im Einfamilienhaus fast die Hälfte der Täter über die Terrassentür eindringt und rund ein Drittel über Fenster. In Mehrfamilienhäusern ist die Wohnungstür das wichtigste Einfallstor.
Auch die PKS Hessen 2025 beschreibt konkrete Vorgehensweisen. Im Bereich Frankfurt kletterten Täter auf Balkone oder Fensterbänke im Hochparterre und ersten Stock und hebelten dort Fenster und Türen auf. An anderer Stelle wurden Wohnungstüren aufgehebelt oder die Falle zurückgedrückt – das funktioniert, wenn eine Tür nur zugezogen und nicht abgeschlossen ist.
Die typischen Schwachstellen auf einen Blick
- Terrassen- und Balkontüren, oft mit einfachen Beschlägen und von der Straße nicht einsehbar.
- Fenster im Erdgeschoss und Hochparterre, besonders gekippte Fenster.
- Wohnungs- und Haustüren, die nur ins Schloss gezogen werden.
- Kellerfenster und Nebeneingänge, die bei der Sicherung gern vergessen werden.
Warum so viele Einbrüche im Versuch scheitern
Gut vier von zehn Einbrüchen in Hessen kamen 2025 über den Versuch nicht hinaus. Der wichtigste Grund ist Zeit: Einbrecher wollen schnell hinein. Hält eine Tür oder ein Fenster spürbar länger stand, steigt das Risiko, entdeckt zu werden – und viele Täter geben auf.
Dazu tragen bei:
- Sicherheitsbeschläge und Sicherheitszylinder, die sich nicht abbrechen oder ziehen lassen,
- Pilzkopfverriegelungen und abschließbare Fenstergriffe, die das Aufhebeln erschweren,
- Zusatzschlösser und Querriegel an Türen,
- aufmerksame Nachbarn und eine laute Alarmanlage, die Täter zum Abbruch bringt.
Sie möchten wissen, wie gut Ihre Tür heute geschützt ist? Bringen Sie Ihren alten Zylinder in unseren Laden in Melsungen oder fragen Sie einen Termin vor Ort an. Wie Sie die Sicherheitsklasse eines Zylinders erkennen, lesen Sie im Ratgeber Schließzylinder-Sicherheitsklassen nach DIN EN 1303.
Welche Maßnahmen an genau diesen Schwachstellen ansetzen
Die Polizei rät, zuerst die Mechanik zu verbessern und eine Alarmanlage als Ergänzung zu sehen. Diese Reihenfolge ist sinnvoll, denn eine Alarmanlage meldet einen Einbruch, verhindert das Aufhebeln aber nicht.
| Schwachstelle | Mechanischer Schutz | Elektronische Ergänzung |
|---|---|---|
| Haus- und Wohnungstür | Sicherheitszylinder mit Schutzbeschlag, immer abschließen | Öffnungsmelder an der Tür |
| Terrassentür | Zusatzsicherung, abschließbarer Griff | Öffnungs- und Glasbruchmelder |
| Fenster im Erdgeschoss | Pilzkopfverriegelung, abschließbarer Griff | Öffnungsmelder, Bewegungsmelder im Raum |
| Kellerfenster, Nebentür | Gitter oder Riegel | Öffnungsmelder |
Wer eine Schließanlage plant, kann Haus-, Neben- und Kellertür mit einem Schlüssel sichern – mit Kopierschutz und Sicherungskarte. Einen Überblick gibt unsere Seite zu Schließanlagen. Für die Tür selbst finden Sie passende Modelle auf der Seite Schließzylinder.
Eine Funkalarmanlage ergänzt den mechanischen Schutz: Sie meldet jeden Öffnungsversuch an Tür und Fenster, schreckt mit Sirene ab und informiert Sie sofort aufs Smartphone – auch tagsüber, wenn Sie im Büro sind.
Verhalten, das nichts kostet
- Türen beim Verlassen immer abschließen, nicht nur zuziehen.
- Fenster nie gekippt lassen – ein gekipptes Fenster ist für Einbrecher ein offenes Fenster.
- Zeitschaltuhren für Licht nutzen und den Briefkasten im Urlaub leeren lassen.
- Keine Hinweise auf Abwesenheit in sozialen Netzwerken posten.
Kommt es doch zum Einbruch, hilft eine klare Reihenfolge. Die Schritte haben wir in der Checkliste Nach dem Einbruch: Was jetzt zu tun ist zusammengefasst.
Kostenlose Beratung durch die Polizei – und durch uns
Das Polizeipräsidium Nordhessen bietet kostenlose Objekt- und Verhaltensberatungen durch Fachberaterinnen und Fachberater an. Das ist eine gute, herstellerneutrale Grundlage. Für die Umsetzung sind Sie bei uns richtig.
Gerade in der dunklen Jahreszeit lohnt ein Sicherheits-Check: Wir zeigen Ihnen, wo Ihr Haus am verwundbarsten ist und was Alarmanlage und Zylinder dagegen tun. Beratung im Laden in der Fritzlarer Straße in Melsungen oder bei Ihnen vor Ort – in Melsungen, Kassel und ganz Nordhessen. Informieren Sie sich über unsere Alarmanlagen oder vereinbaren Sie direkt einen Termin.