Schließzylinder-Sicherheitsklassen erklärt: DIN EN 1303, VdS und Ziehschutz
Achtstelliger Code, Buchstaben von A bis D, VdS BZ+: Was die Angaben auf einem Schließzylinder bedeuten und welche Klasse für Haustür, Wohnung und Gewerbe sinnvoll ist.

Auf einem geprüften Schließzylinder stehen die Sicherheitseigenschaften als achtstelliger Klassifizierungsschlüssel nach DIN EN 1303. Für den Einbruchschutz zählen vor allem die letzten beiden Stellen: die Verschlusssicherheit, also wie gut der Zylinder gegen Manipulation und Schlüsselvielfalt geschützt ist, und der Angriffswiderstand gegen Bohren, Ziehen und Abbrechen. Für eine Haustür empfiehlt die Polizei mindestens die Klasse A, besser B – mit Ziehschutz C oder D.
Das Wichtigste in Kürze
- DIN EN 1303 beschreibt Zylinder mit einem achtstelligen Code.
- Stelle 7 steht für die Verschlusssicherheit (sechs Klassen), Stelle 8 für den Angriffswiderstand.
- Angriffswiderstand: 0 ist ungeeignet, A und B ohne Ziehschutz, C und D mit Ziehschutz.
- VdS-Klassen wie BZ oder BZ+ sind eine zusätzliche Prüfung, die Versicherer oft anerkennen.
- Ein Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung gehört an jede Außentür dazu.
Der achtstellige Code nach DIN EN 1303
Die Norm fasst alle geprüften Eigenschaften eines Zylinders in einem Code mit acht Stellen zusammen. Nach der Fassung DIN EN 1303:2015 bedeuten sie:
| Stelle | Eigenschaft | Was sie aussagt |
|---|---|---|
| 1 | Gebrauchskategorie | für welche Nutzung der Zylinder gedacht ist |
| 2 | Dauerhaftigkeit | wie viele Schließzyklen er im Test übersteht |
| 3 | Türmasse | nicht klassifiziert |
| 4 | Eignung für Feuer- und Rauchschutztüren | ob und wie er dort eingesetzt werden darf |
| 5 | Betriebssicherheit | Sicherheit für den Nutzer |
| 6 | Korrosionsbeständigkeit und Temperatur | Eignung für Außentüren und Witterung |
| 7 | Verschlusssicherheit | Schutz gegen Manipulation, sechs Klassen |
| 8 | Angriffswiderstand | Schutz gegen Bohren, Ziehen und Abbrechen |
Die ersten sechs Stellen sind für die Planung wichtig, etwa an Brandschutztüren oder Außentüren. Für die Frage „Wie sicher ist mein Zylinder gegen Einbruch?” kommt es auf die Stellen 7 und 8 an.
Ein Hinweis zur Einordnung: Normen werden regelmäßig überarbeitet, und Hersteller stellen ihre Kennzeichnung nicht alle gleichzeitig um. Deshalb finden Sie im Handel Zylinder mit alter und neuer Bezeichnung nebeneinander. Maßgeblich ist immer, was auf dem Zylinder, in den Unterlagen oder im Prüfzertifikat steht. Seriöse Hersteller lassen ihre Produktion außerdem laufend überwachen. Erkennbar ist das am Zeichen einer anerkannten Zertifizierungsstelle wie PIV CERT, VdS oder SKG – das empfiehlt auch die Polizei in ihrem Herstellerverzeichnis.
Was bedeuten Verschlusssicherheit 6 und Angriffswiderstand 2?
Die Verschlusssicherheit an Stelle 7 hat sechs Klassen. Klasse 6 ist die höchste: Der Zylinder bietet eine große Zahl unterschiedlicher Schließungen und ist gegen Manipulation wie Picking besonders geschützt. Für Haustüren sollten Sie auf eine hohe Klasse achten.
Beim Angriffswiderstand an Stelle 8 hat sich die Bezeichnung geändert. Ältere Zylinder tragen hier die Ziffern 0 bis 2, neuere die Buchstaben 0 und A bis D. Die Kommission Polizeiliche Kriminalprävention ordnet beide in ihrem Herstellerverzeichnis (Stand Januar 2025) so zu: Die alte Klasse 1 entspricht A oder C, die alte Klasse 2 entspricht B oder D. Eine „2” am Ende ist also die höchste Stufe nach alter Zählung.
Angriffswiderstand: 0, A, B, C und D
Nach der Übersicht der Polizei bedeuten die Buchstaben:
- 0 – ungeeignet, wenn es um Einbruchschutz geht
- A – erste Sicherheitsklasse ohne Ziehschutz
- B – höhere Sicherheitsklasse ohne Ziehschutz
- C – erste Sicherheitsklasse mit Ziehschutz
- D – höhere Sicherheitsklasse mit Ziehschutz
Empfehlenswert sind laut Polizei Zylinder der Klasse A, besser B, beziehungsweise mit zusätzlichem Ziehschutz C, besser D. Dieselben Klassen gelten nach DIN 18252 für Profilzylinder und nach DIN EN 15684 für mechatronische Zylinder.
Auf älteren Zylindern nach der früheren DIN 18252 finden Sie zweistellige Angaben wie „21” oder „82”. Die zweite Ziffer nennt dort die Angriffswiderstandsklasse. Die Kürzel „BS” stehen für Bohrschutz, „BZ” für Bohr- und Ziehschutz.
Was unterscheidet die VdS-Klassen von der Norm?
Die VdS Schadenverhütung prüft Zylinder nach eigenen Richtlinien, die über die Norm hinausgehen. Die VdS-Klassen sind nach Sicherheitsstufe gegliedert:
| VdS-Klasse | Einordnung |
|---|---|
| A, AZ | Basisschutz |
| B, BZ, B+, BZ+ | mittlere Sicherheit |
| C, CZ, C+, CZ+ | hohe Sicherheit |
Das „Z” steht für Ziehschutz, das „+” für einen erhöhten Schutz gegen Aufsperren. Zylinder mit „+” können auch für Schalteinrichtungen von Einbruchmeldeanlagen zugelassen sein. Versicherer verlangen in manchen Fällen, vor allem im Gewerbe, ausdrücklich VdS-anerkannte Zylinder. Beispiele aus unserem Sortiment: Winkhaus blueCompact und blueSmart sind laut Hersteller VdS BZ+ anerkannt.
Zieh-, Bohr- und Pickingschutz in der Praxis
Hinter den Klassen stehen konkrete Bauteile:
Bohrschutz
Gehärtete Stifte und Einsätze verhindern, dass ein Bohrer die Zuhaltungen zerstört. Ohne Bohrschutz ist ein Zylinder mit einfachem Werkzeug in kurzer Zeit geöffnet. Die Polizei nennt den Bohrschutz deshalb als Mindestanforderung für jeden Profilzylinder an einer Außentür.
Ziehschutz
Ein Ziehschutz verhindert, dass der Zylinderkern mit einem eingedrehten Werkzeug herausgerissen wird. Er sitzt entweder im Zylinder (Klassen C und D) oder im Schutzbeschlag als Zylinderabdeckung.
Picking- und Bumping-Schutz
Spezielle Stiftformen erschweren das Öffnen mit Pickwerkzeug oder Schlagschlüssel. Solche Methoden hinterlassen oft kaum Spuren – ein Grund mehr, hier nicht zu sparen. Systeme wie BKS janus8000 haben laut Hersteller serienmäßigen Schutz gegen Schlagpicking.
Wichtig: Die Polizei empfiehlt zusätzlich zum Zylinder einen Schutzbeschlag nach DIN 18257, mindestens ES 1, mit Zylinderabdeckung. Wie weit der Zylinder dabei überstehen darf, erklärt der Ratgeber Schließzylinder steht über.
Welche Klasse für welche Tür?
Die folgende Übersicht ist eine Orientierung. Im Einzelfall entscheiden Tür, Umgebung und gegebenenfalls Ihre Versicherung:
| Tür | Empfehlung |
|---|---|
| Haustür, Nebeneingang | Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung und Zylinder mindestens A, besser B – ohne Abdeckung C oder D |
| Wohnungstür im Mehrfamilienhaus | wie Haustür, bei Schließanlagen mit Sicherungskarte |
| Keller- und Garagentür mit Zugang zum Haus | wie Haustür, wird oft unterschätzt |
| Innentüren, Büros | je nach Bedarf, oft genügen einfachere Klassen |
| Gewerbe, Lager | nach Vorgabe des Versicherers, häufig VdS-anerkannt |
Neben der Klasse zählt der Kopierschutz: Zylinder mit geschütztem Profil und Sicherungskarte sorgen dafür, dass niemand ohne Nachweis Nachschlüssel bekommt. Eine Übersicht der Systeme finden Sie bei den mechanischen Schließanlagen.
Ihren Zylinder einordnen lassen
Die Ziffern auf einem Zylinder sind schwer zu lesen – und bei vielen älteren Zylindern steht gar nichts. Kommen Sie mit Ihrem alten Zylinder in unseren Laden in Melsungen: Wir zeigen Ihnen, welche Sicherheitsstufe er hat und welcher Zylinder für Ihre Tür sinnvoll ist. Auf unserer Seite Schließzylinder finden Sie außerdem die gängigen Bauformen und eine Messanleitung. Für Kunden aus Kassel und Nordhessen messen wir gern auch vor Ort – schreiben Sie uns über die Kontaktseite.