Überwachungskamera gehackt? So betreiben Sie IP-Kameras sicher
Die meisten gehackten Kameras scheitern nicht an der Technik, sondern an der Einrichtung. Mit diesen Maßnahmen bleibt Ihr Videosystem in Ihrer Hand.
Überwachungskameras werden fast nie durch raffinierte Angriffe übernommen, sondern durch vermeidbare Fehler: Standardpasswörter, veraltete Firmware und Router, die die Kamera direkt ins Internet stellen. Wer diese drei Punkte im Griff hat, eigene Konten nutzt und den Fernzugriff kontrolliert einrichtet, betreibt seine Anlage sicher.
Das Wichtigste in Kürze
- Jedes Gerät bekommt ein eigenes, starkes Passwort, jede Person ein eigenes Konto.
- Firmware-Updates schließen bekannte Lücken – regelmäßig prüfen und einspielen.
- Keine Portfreigaben im Router, UPnP abschalten.
- Kameras in ein eigenes Netzwerksegment, Aufzeichnung lokal auf dem Rekorder.
- Fernzugriff per App oder VPN bewusst einrichten, nicht über offene Ports.
Wie werden Überwachungskameras gehackt?
Angreifer suchen automatisiert nach Geräten, die aus dem Internet erreichbar sind. Spezielle Suchmaschinen listen solche Kameras und Rekorder öffentlich auf. Ist ein Gerät gefunden, probieren Programme bekannte Standardpasswörter oder nutzen Sicherheitslücken in veralteter Firmware aus.
Die häufigsten Einfallstore sind:
- Standard- oder schwache Passwörter, die nach der Installation nie geändert wurden.
- Offene Ports: Der Router leitet Anfragen aus dem Internet direkt an Kamera oder Rekorder weiter – oft automatisch per UPnP, ohne dass der Besitzer davon weiß.
- Veraltete Firmware mit öffentlich bekannten Lücken.
- Geteilte Zugänge: Die ganze Familie oder alle Mitarbeiter nutzen dasselbe Admin-Konto.
- Unsichere Heimnetze: Ein schwaches WLAN-Passwort öffnet den Weg zu allen Geräten im Netz.
Das Gute daran: Gegen alle diese Punkte gibt es einfache Maßnahmen.
Passwörter und Benutzerkonten
Das Standardpasswort ist das größte Einzelrisiko. Moderne Geräte zwingen bei der Ersteinrichtung zu einem eigenen Passwort – ältere tun das nicht. Prüfen Sie deshalb auch Bestandsanlagen.
- Nutzen Sie lange, zufällige Passwörter, am besten aus einem Passwortmanager.
- Legen Sie für jede Person ein eigenes Konto an, mit nur den Rechten, die sie braucht: Live-Bild ansehen ja, Einstellungen ändern nein.
- Das Administratorkonto bleibt einer Person vorbehalten.
- Löschen Sie Konten von Personen, die keinen Zugriff mehr brauchen, etwa nach einem Mitarbeiterwechsel.
Ein Rekorder mit nachvollziehbaren Einzelkonten hilft übrigens auch beim Datenschutz: Sie wissen, wer Aufnahmen angesehen oder exportiert hat. Mehr zur rechtlichen Seite lesen Sie im Beitrag zur Speicherdauer von Videoaufnahmen.
Firmware-Updates: der unterschätzte Schutz
Keine Software ist fehlerfrei. Wird eine Lücke bekannt, veröffentlichen seriöse Hersteller ein Update – wirksam ist es aber erst, wenn es auch eingespielt wird. Genau daran scheitert es in der Praxis.
Ein Beispiel aus jüngerer Zeit: Im August 2024 hat die US-Cybersicherheitsbehörde CISA zwei Lücken in Dahua-Firmware (CVE-2021-33044 und CVE-2021-33045) in ihren Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen. Die Lücken waren bereits seit 2021 bekannt. Betroffen sind damit vor allem Geräte, deren Firmware über Jahre nicht aktualisiert wurde. Solche Meldungen gibt es bei allen großen Kameraherstellern. Die Lehre daraus ist bei jedem Fabrikat dieselbe: Aktualisieren Sie regelmäßig.
So gehen Sie vor:
- Prüfen Sie im Menü von Rekorder und Kameras die installierte Firmware-Version.
- Vergleichen Sie sie mit der aktuellen Version auf der Website des Herstellers.
- Laden Sie Updates nur aus offiziellen Quellen.
- Spielen Sie zuerst den Rekorder, dann die Kameras ein und prüfen Sie danach alle Bilder.
Wenn Sie das nicht selbst übernehmen möchten, sprechen Sie uns an. Bei Anlagen, die wir installieren, zeigen wir Ihnen, wie Sie Updates selbst prüfen, oder übernehmen das auf Anfrage für Sie.
Eigenes Netzwerk und Rekorder ohne Internetfreigabe
Die wirksamste Maßnahme ist, Kameras gar nicht erst direkt aus dem Internet erreichbar zu machen.
Keine Portfreigaben: Schalten Sie UPnP im Router und am Rekorder ab und löschen Sie vorhandene Portweiterleitungen zu Kameras. Wer nicht weiß, ob es welche gibt, findet sie in den Router-Einstellungen unter Freigaben.
Eigenes Netzsegment: Kameras und Rekorder gehören in ein eigenes Netzwerk, getrennt von Laptops, Smartphones und Smart-TV. Viele Router bieten dafür ein separates Netz an, in Firmen erledigt das ein VLAN. Wird ein anderes Gerät kompromittiert, bleibt das Videosystem außen vor – und umgekehrt.
Lokale Aufzeichnung: Kameras zeichnen auf einen Rekorder im Haus oder Betrieb auf, nicht direkt in eine fremde Cloud. Die Kameras selbst brauchen dann überhaupt keinen Internetzugang.
Bei kabelgebundenen PoE-Kameras ist diese Trennung besonders einfach, weil sie direkt am Rekorder hängen. Warum wir Kabel ohnehin bevorzugen, lesen Sie im Vergleich PoE oder WLAN-Kamera.
| Maßnahme | Aufwand | Wirkung |
|---|---|---|
| Eigene Passwörter und Konten | gering | sehr hoch |
| UPnP aus, keine Portfreigaben | gering | sehr hoch |
| Regelmäßige Firmware-Updates | gering bis mittel | hoch |
| Eigenes Netzsegment für Kameras | mittel | hoch |
| Fernzugriff nur per VPN | mittel | hoch |
| Ungenutzte Dienste deaktivieren | gering | mittel |
Sie möchten Ihre bestehende Anlage überprüfen lassen oder eine neue sicher aufsetzen? Auf unserer Seite zur Videoüberwachung in Melsungen und Kassel erfahren Sie, wie wir Anlagen einrichten.
Sicher von unterwegs zugreifen
Niemand möchte auf den Blick aufs Smartphone verzichten. Es gibt zwei übliche Wege:
Hersteller-App mit Vermittlungsdienst: Die App verbindet sich über einen Server des Herstellers mit Ihrem Rekorder, ohne dass Sie Ports öffnen müssen. Das ist bequem und für viele Privathaushalte ausreichend – Sie verlassen sich dabei aber auf die Sicherheit dieses Dienstes. Starke Passwörter und, wo angeboten, eine zusätzliche Bestätigung beim Login sind Pflicht.
VPN: Ihr Smartphone baut eine verschlüsselte Verbindung in Ihr Heim- oder Firmennetz auf, etwa über die VPN-Funktion vieler Router. Die App greift dann so auf den Rekorder zu, als wären Sie zu Hause. Das ist der kontrolliertere Weg und für Betriebe unsere Empfehlung.
Zusätzlich gilt: ungenutzte Dienste am Rekorder abschalten, Protokolle gelegentlich ansehen und die Uhrzeit korrekt halten, damit Aufnahmen beweiskräftig bleiben.
Herstellerunabhängig: worauf es wirklich ankommt
Ob eine Kamera sicher ist, entscheidet sich weniger am Logo als an der Einrichtung. Unsere Empfehlung gilt deshalb für jedes Fabrikat: lokale Aufzeichnung, keine direkte Internetfreigabe, aktuelle Firmware, eigene Konten. So bleibt die Kontrolle über Ihre Bilder bei Ihnen. Wer Kameras an Stellen mit besonderem Schutzbedarf einsetzt, etwa in kritischen Bereichen eines Unternehmens, sollte die Auswahl zusätzlich mit seinem IT-Sicherheitsverantwortlichen abstimmen.
Ihre Anlage sicher eingerichtet
Eine sichere Kameraanlage ist keine Frage teurer Technik, sondern sorgfältiger Einrichtung. Wir richten Ihr DAHUA-System mit eigenen Passwörtern, aktueller Firmware und ohne offene Ports ein, trennen es auf Wunsch vom übrigen Netz und zeigen Ihnen, wie Sie es aktuell halten – in Melsungen, Kassel und Nordhessen.
Sprechen Sie uns über das Kontaktformular oder die Seite zur Videoüberwachung an. Auch bestehende Anlagen sehen wir uns gern an.