2K, 4K oder 5 MP? Welche Auflösung und Nachtsicht eine Überwachungskamera braucht
Megapixel sind nur die halbe Wahrheit. Mit dem DORI-Prinzip rechnen Sie aus, ob eine Kamera Gesichter wirklich erkennt – und welche Nachtsicht zu Ihrem Grundstück passt.
Ob Sie 2K oder 4K brauchen, hängt davon ab, wie breit der Bereich ist, den eine Kamera abdecken soll, und was Sie darin erkennen wollen. Für ein Gesicht an der Haustür reicht oft eine gute 4-Megapixel-Kamera mit passendem Objektiv. Für eine breite Einfahrt oder einen Hof kann 4K sinnvoll sein. Entscheidend ist die Zahl der Pixel pro Meter im Bild, nicht die Megapixelzahl auf der Verpackung.
Das Wichtigste in Kürze
- Auflösung allein sagt wenig. Wichtig ist, wie viele Pixel auf einen Meter Szene fallen.
- Das DORI-Prinzip nach IEC EN 62676-4 gibt dafür Richtwerte vor: von „Detektieren” bis „Identifizieren”.
- Eine schmalere Brennweite bringt oft mehr als ein Sprung von 4 auf 8 Megapixel.
- Infrarot liefert Schwarz-Weiß-Bilder mit großer Reichweite, Farbnachtsicht zeigt Kleidung und Fahrzeugfarben.
- Höhere Auflösung braucht mehr Speicher. Moderne Videokompression reduziert den Bedarf deutlich.
Was bedeuten 2K, 4K und 5 MP konkret?
Die Begriffe stammen aus dem Marketing und sind nicht einheitlich. Hilfreicher ist die horizontale Pixelzahl, die in jedem Datenblatt steht:
- Full HD (2 MP): 1920 × 1080 Pixel
- 4 MP, oft „2K” genannt: 2560 × 1440 Pixel
- 5 MP: je nach Sensor zum Beispiel 2880 × 1620 Pixel
- 4K (8 MP): 3840 × 2160 Pixel
Mehr Pixel bedeuten mehr Details – aber nur, wenn sie auf das richtige Bildfeld verteilt werden. Eine 4K-Kamera mit extremem Weitwinkel kann ein Gesicht in zehn Metern Entfernung schlechter zeigen als eine 4-MP-Kamera mit engerem Objektiv.
Das DORI-Prinzip: Ab wann ist ein Gesicht erkennbar?
Die Norm IEC EN 62676-4 für Videoüberwachungsanlagen beschreibt vier Stufen, je nachdem, wie viele Pixel pro Meter (px/m) auf ein Objekt fallen:
| Stufe | Pixel pro Meter | Was Sie sehen |
|---|---|---|
| Detect – Detektieren | 25 px/m | Ob eine Person oder ein Fahrzeug im Bild ist |
| Observe – Beobachten | 62 px/m | Grobe Merkmale wie Kleidung und Bewegungen |
| Recognize – Wiedererkennen | 125 px/m | Ob es sich um eine bekannte Person handelt |
| Identify – Identifizieren | 250 px/m | Eindeutige Identifizierung einer Person |
Die Rechnung ist einfach: Teilen Sie die horizontale Pixelzahl durch die Breite der Szene in Metern. Für die Stufe „Identifizieren” ergibt sich daraus, wie breit das Bild an der entscheidenden Stelle höchstens sein darf:
| Auflösung | Pixel Breite | Max. Szenenbreite für Identifizieren | Max. Szenenbreite für Wiedererkennen |
|---|---|---|---|
| Full HD | 1920 | ca. 7,7 m | ca. 15,4 m |
| 4 MP | 2560 | ca. 10,2 m | ca. 20,5 m |
| 5 MP (16:9) | 2880 | ca. 11,5 m | ca. 23,0 m |
| 4K | 3840 | ca. 15,4 m | ca. 30,7 m |
Praktisch heißt das: Eine Kamera über der Haustür, die einen gut vier Meter breiten Eingangsbereich zeigt, schafft „Identifizieren” schon mit Full HD. Soll eine Kamera dagegen eine zwölf Meter breite Hofeinfahrt so abdecken, dass Gesichter erkennbar sind, ist 4K die sichere Wahl – oder eine zweite Kamera.
Warum Brennweite und Bildwinkel oft wichtiger sind
Die Szenenbreite hängt nicht nur von der Kamera, sondern vom Objektiv und der Entfernung ab. Ein Weitwinkelobjektiv mit kurzer Brennweite (etwa 2,8 mm) zeigt viel, verteilt die Pixel aber auf eine große Fläche. In wenigen Metern Abstand ist das ideal, in zwanzig Metern sind Personen nur noch kleine Figuren.
Eine längere Brennweite oder ein Varioobjektiv bündelt die Pixel auf einen engeren Bereich weiter hinten. Für Einfahrten, Tore und lange Hofflächen ist das oft der entscheidende Hebel. Deshalb planen wir Kameras immer vom Bildausschnitt her: Was soll in welcher Entfernung erkennbar sein? Erst dann wählen wir Auflösung und Objektiv. Wie Höhe und Position das Ergebnis beeinflussen, zeigt unser Beitrag Überwachungskamera richtig anbringen.
Sie wollen wissen, welche Kombination an Ihrem Haus passt? Auf unserer Seite zur Videoüberwachung in Melsungen und Kassel sehen Sie, wie wir vorgehen – vom Rundgang bis zur fertigen App.
Infrarot oder Farbnachtsicht – was ist besser?
Die meisten Einbrüche passieren nicht bei bestem Licht. Die Nachtsicht entscheidet deshalb mit über den Nutzen einer Kamera.
Infrarot (IR): Unsichtbare IR-LEDs leuchten die Szene aus, die Kamera zeigt ein Schwarz-Weiß-Bild. Vorteile sind die große Reichweite und dass niemand geblendet wird. Nachteile: Farben gehen verloren, und IR-Licht spiegelt sich in Fensterscheiben oder an nahen Wänden. Spinnweben vor der Linse leuchten im IR-Licht auf und lösen gern Fehlalarme aus.
Farbnachtsicht: Sehr lichtstarke Sensoren nutzen das vorhandene Restlicht, manche Modelle schalten zusätzlich ein warmweißes Licht zu. So sehen Sie auch nachts die Farbe von Jacke oder Auto – ein wichtiger Hinweis für die Polizei. Das sichtbare Licht schreckt außerdem ab. Dafür braucht es etwas Umgebungslicht oder die Zusatzbeleuchtung, und das Licht darf Nachbarn nicht stören.
Viele aktuelle Kameras, auch von DAHUA, beherrschen beides und schalten je nach Situation um. Für den Hauseingang mit Außenleuchte ist Farbnachtsicht oft die bessere Wahl, für einen dunklen Garten ohne Lichtquelle eher Infrarot.
Auflösung, Speicherbedarf und Rekorder
Jede Verdopplung der Pixel erhöht die Datenmenge. Bei mehreren 4K-Kameras, die dauerhaft aufzeichnen, füllt sich auch eine große Festplatte schneller. Drei Stellschrauben halten das im Rahmen:
- Moderne Kompression: Verfahren wie H.265 reduzieren den Speicherbedarf gegenüber älteren Standards deutlich.
- Ereignisaufzeichnung: Wenn nur bei erkannter Bewegung oder Person aufgezeichnet wird, sinkt die Datenmenge stark.
- Passende Speicherdauer: Aus Datenschutzgründen sollen Aufnahmen ohnehin nicht unbegrenzt liegen bleiben. Was dazu gilt, lesen Sie im Beitrag zur Speicherdauer von Videoaufnahmen.
Auch das Netzwerk muss die Datenmenge tragen. Mehrere hochauflösende Kameras laufen über Kabel deutlich stabiler als über WLAN – mehr dazu im Vergleich PoE oder WLAN-Kamera.
Kennzeichen erfassen – mit Augenmaß
Für Kennzeichen gelten ähnliche Regeln wie für Gesichter: genug Pixel pro Meter, eine kurze Belichtungszeit gegen Bewegungsunschärfe und ein Winkel, in dem das Schild nicht spiegelt. Gleichzeitig sind Kennzeichen personenbezogene Daten. Richten Sie die Kamera deshalb auf Ihre eigene Einfahrt, nicht auf die Straße. Wie Sie den Bildausschnitt auf das eigene Grundstück begrenzen, erklärt unser Beitrag zur Kamera und dem Nachbargrundstück.
Fazit: Erst den Bildausschnitt planen, dann die Kamera wählen
Die Frage „2K oder 4K?” lässt sich nicht pauschal beantworten. Für schmale Eingänge reicht oft weniger, als die Werbung verspricht, für breite Flächen ist 4K oder eine zusätzliche Kamera sinnvoll. Die richtige Nachtsicht ist mindestens so wichtig wie die Auflösung.
Wir wählen Kamera, Objektiv und Position so, dass Sie im Ernstfall Gesichter und Kennzeichen tatsächlich erkennen – nicht nur Bewegung. Lassen Sie sich in Melsungen, Kassel oder Nordhessen beraten: über unsere Seite zur Videoüberwachung oder das Kontaktformular. Sie bekommen einen Kameraplan mit festem Angebot.